|
|
|
|
| |
.Aufruf: Kein Kiez für Nazis - Wer wegschaut stimmt zu.
(15.Sep.08)
Fedyaj,
ein junger Mensch aus Moskau, wollte nur sein Haus verlassen. Nun ist
er tot. Nazis lauerten ihm auf und erstachen ihn am 10. Oktober. Sein
Name und Gesicht waren vorher auf mehreren russischen
Anti-Antifa-Seiten veröffentlicht worden. Auch im Berliner
Ortsteil Pankow gab es zuletzt Aufkleber mit den Namen und Bildern von
vermeintlichen Antifaschist_innen und dem als klare
Einschüchterung gemeinten Rat, „auf sich aufzupassen“.
Die konkrete Bedrohung durch Neonazis hat im Nordosten Berlins in der
jüngsten Vergangenheit immens zugenommen. Dem sogenannten
„Outing“ alternativer Jugendlicher folgt
regelmäßig, dass Nazis ihnen auflauern, mit dem Ziel, sie zu
jagen und/oder physisch anzugehen. Es kommt zu Angriffen auf die
Wohnungen oder Telefonterror bei den Eltern der Betroffenen. Dieses
Bedrohungsszenario beeinträchtigt nicht nur die Jugendlichen
selbst, auch ihre Eltern, Geschwister, Freund_innen und Bekannte sind
im Fokus der Neonazis. Sie können sich nicht mehr sicher auf den
Straßen ihres Wohnortes bewegen.
Wenn Nazis prügelnd durch Pankow ziehen können, wenn, wie in
der Kleinstadt Mügeln geschehen, ein deutscher Mob eine Gruppe
Inder durch die Straßen jagt, solange die Morde durch Neonazis
beispielsweise in der BRD, in Russland oder Spanien weitergehen,
solange ist es unsere Pflicht, Nazis effektiv zu bekämpfen. Neben
solchen Taten haben wir es mit einer gesellschaftlichen Ignoranz zu
tun, die den Neonaziterror toleriert, wenn nicht sogar aktiv
unterstützt und einem Staatsapparat, auf den sich Nazis meist mehr
verlassen können, als Menschen mit einer klar linken Position.
Mit der Demonstration „Kein Kiez für Nazis. Wer wegschaut
stimmt zu“ am 15. November wollen wir die widerwärtigen
Strukturen der Rechten in Pankow, ihre Mechanismen und dahinterstehende
Personen an die Öffentlichkeit zerren, unmissverständlich
unsere Ablehnung ausdrücken und ihre Handlungsmöglichkeiten
einschränken. Lasst uns gemeinsam Nazis, ihrer Ideologie und dem
gesellschaftlichen Tiefschlaf im Nordosten Berlins entgegenwirken!
.: Nazis in Pankow
Gerade der Bezirk Pankow ist eine Gegend rechter Hegemonie, besonders
in Alt-Pankow und Niederschönhausen ist es in letzter Zeit
für nicht-rechte Menschen gefährlich geworden. Seit Jahren
wird der Bezirk auf den vorderen Plätzen der Statistiken
rechtsmotivierter Straftaten geführt.
Nicht, dass hier die nationale „Kiezstreife“ den Einlass
regeln würde, aber aus mehreren Neonazi-Wohngemeinschaften heraus
sind „nationale Kräfte“ schnell zur Stelle, wenn in
„ihrem“ Revier etwas nicht nach rechten Dingen zugeht.
Die Dietzgenstraße ist für derlei Ereignisse ein
Paradebeispiel: Hier befindet sich die rechtsoffene Kneipe „Fire
& Ice“, die sich in die ehemaligen Räumlichkeiten des
„Spassecks“ eingemietet hat. Ebenso wie es das
„Musik-Café“ in der Wollankstraße vor seiner
Schließung war, ist diese Kneipe Treffpunkt für ein
unangenehmes Spektrum aus Hooligans und Kameradschaftler_innen.
Berührungsängste mit der NPD gibt es in diesem Dunstkreis
keine..
Vielmehr übernehmen diese Leute im Kreisverband 8 (KV 8), der als
aktivster Berlins angesehen werden kann, den Großteil der
Aktionen. Beschränkt wird sich mitnichten auf klassische
Parteiarbeit wie Wahlstandbetreuung. Die gleichen Leute sind es auch,
die in Pankow rechte Propagandaaktionen durchführen, politische
Gegner_innen einschüchtern oder sich bundesweit an rechten
Aufmärschen, z.B. in Dresden und Magdeburg, beteiligten. Nur
geschieht dies nicht als NPD, sondern vorwiegend als „Vereinte
Nationalisten Nord-Ost (VNNO)“. Diese Pankower Kameradschaft
gründete sich 2004 und machte sich seitdem durch massive
Aufkleberwellen, Transparentaktionen und Gewalttaten bemerkbar.
Die personellen Überschneidungen zwischen der VNNO und dem NPD-KV
8 sind vielfältig. Letzterer wurde 2001 von Jörg Hähnel
und André Werner gegründet. 2007 gaben sie die Führung
an den Pankower Neonazi Daniel Steinbrecher ab. Steinbrecher, der auch
bei der VNNO organisiert ist, beteiligte sich beispielsweise am 11.
Juli 2007 an einem Angriff auf mehrere Antifaschist_innen nach einer
Demonstration der „Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer
Bürger“ (IPAHB) gegen den Moscheebau in Pankow-Heinersdorf
und wurde dafür zu einer Haftstrafe von 16 Monaten verurteilt, die
auf Bewährung ausgesetzt wurde. Über Jörg Hähnel
gibt es auch Kontakte zur Bundes-NPD, die für die Pankower
Neonazis vor allem finanziell interessant sind. Prominentes Opfer der
NPD-nahen Schläger ist der antifaschistisch aktive Lichtenberger
Linkspartei-Politiker Kirill Jermak, der am 21.Januar 2007 in
Niederschönhausen von Neonazis brutal angriffen worden war.
Da die Pankower Nazis gerade den Ortsteil Niederschönhausen als
„ihr Revier“ sehen, wird dort antifaschistische
Intervention nicht geduldet. Erschwert wird die antifaschistische
Kiezarbeit dadurch, dass es vor Ort kaum Menschen gibt, die ernsthaft
gewillt sind, etwas gegen Nazis zu unternehmen, sei es aus Angst oder
weil sie selbst Teil der rechten Grundstimmung sind, die bei vielen
Menschen in Pankow-Niederschönhausen das Denken und Handeln
prägt.
.: „Wir sind Pankow”
Diese rechte Grundstimmung und das faktische Nichtvorhandensein der
vielgepriesenen „Zivilgesellschaft“ können auch
sicherlich gutgemeinte Projekte wie „Wir sind Pankow“ oder
der „Lokale Aktionsplan Pankow“ nicht kaschieren. Ob es nun
die Verfestigung des Angstraums Niederschönhausen, die
rassistische Mobilisierung in Heinersdorf oder die Existenz des
Naziladens Harakiri im „Szenekiez“ Prenzlauer Berg
betrifft: Das verschlafene Pankow lässt sich nicht so leicht aus
der Ruhe bringen. Auch Neonaziausschreitungen am Rande von
Feuerwehrfesten, rechte Angriffe gegen alternative Pankower
Jugendeinrichtungen oder die Beteiligung der NPD mit Ständen an
Straßenfesten werden nahezu kommentarlos hingenommen und
würden ganz untergehen, wenn sie engagierte Antifaschist_innen im
Bezirk nicht immer wieder thematisierten.
Auf der anderen Seite gibt das Bezirksamt Pankow mehrere seiner
Pfründe progressiver Jugendclubs zum Abschuss frei. Im Pankower
Zentrum eröffnet es eine neue Einrichtung und beschränkt
zugleich die Förderung des Kurt-Lade-Klubs in
Niederschönhausen und der Garage Pankow auf die Betriebskosten.
Gegenüber den Medien wird diese Kürzung dann als „neu
eingeschlagener Weg“ der Selbstverwaltung in der
Jugendsozialarbeit verkauft, um gleich im nächsten Atemzug zu
erklären, dass sich perspektivisch natürlich nicht alle diese
Einrichtungen halten lassen werden. Während die kühlen
Rechner_innen im Bezirksamt überlegen, wie sich weitere
Einsparungen im Jugendbereich realisieren lassen, läuft die rechte
Hetze, die sich ausdrücklich auch gegen die Bunte Kuh im Ortsteil
Weißensee und das Unabhängige Jugendzentrum Pankow (JUP
e.V.) richtet, ungehindert weiter.
.: Antisemitismus damals und heute
Die Demonstration am 15. November führt uns auch an Orten vorbei,
die mit den verbrecherischen Ausschreitungen der Nazis in der Nacht vom
9. auf den 10. November 1938 im geschichtlichen Zusammenhang stehen. In
diesen Tagen jähren sich zum 70. Mal die Pogrome gegen die
deutschen Jüd_innen sowie deren Einrichtungen. Die Ereignisse der
„Reichspogromnacht“ waren der vorläufige
Höhepunkt des seit der Machtübertragung an die deutschen
Faschisten und Faschistinnen am 30. Januar 1933 ausgeübten
antisemitischen Terrors, der in weiten Teilen der Bevölkerung
Nazideutschlands auf fruchtbaren Boden stieß und in den
„Nürnberger Rassegesetzen“ aus dem Jahr 1935 seine
theoretisierte Grundlage findet.
Auch in Pankow wütete der enthemmte und gewalttätige Mob aus
SA und Mitgliedern der SS, bejubelt oder still geduldet von
abertausenden Bewohner_innen des Bezirks. Geschäfte von
Jüd_innen wurden zerstört und geplündert, ihre
Inhaber_innen teilweise verprügelt oder in Konzentrationslager
deportiert. Die Zigarettenfabrik von Josef Garbáty in der
Hadlichstraße beschlagnahmten die Nazis am 10. November 1938 und
erklärten sie für „zwangsarisiert“, Unbekannte
beschmierten die Firmenschilder des jüdischen Glasermeisters Fritz
Selbiger in der Wollankstraße mit roter Farbe und den Worten
„Juda verrecke“. Schon Monate zuvor bekamen die
jüdischen Waisenkinder in der Berliner Straße den Hass der
Nazis zu spüren, ihr Waisenhaus wurde schwer beschädigt und
die Kinder massiv bedroht. Immer wieder zog der braune Mob mit
antisemitischen Parolen auch durch die Straßen Pankows.
Doch der Antisemitismus lässt sich mitnichten auf die Jahre 1933
bis 1945 in Nazideutschland beschränken, er ist auch in der
Gesellschaft der Gegenwart tief verankert. Dies zeigt nicht nur
Schändung des Jüdischen Friedhofes in Weißensee im
April dieses Jahres oder die traurige Realität, die es erfordert,
dass jüdische Einrichtungen und Gemeindehäuser in Deutschland
rund um die Uhr geschützt werden müssen. Der Kampf gegen ein
Fortleben des Antisemitismus muss daher Aufgabe aller Freiheit
liebenden Menschen im Land der Täter_innen sein. Eine
Erinnerungskultur beispielsweise, die den Antisemitismus nicht auch als
Gegenwartsphänomen begreift, entlastet nicht nur das heutige
Deutschland von seiner Vergangenheit, sie taugt auch nicht als
Ableitung aus der Verpflichtung, wie sie die überlebenden
Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald 1945 in ihrem Schwur
formuliert haben: „Die Vernichtung der Wurzeln des Faschismus
bleibt unser Ziel und unsere Aufgabe“.
Heutiger Antisemitismus ist nicht zu denken ohne die
nationalsozialistische Ideologie und deren Export in die Welt. Das
Moderne am zeitgenössischen Antisemitismus ist sein
pseudo-antikapitalistischer Gestus. So wird Kapital und seine
Verwertung personalisiert im Juden, welcher so zum Träger all
dessen avanciert, was die moderne (kapitalistische, demokratische)
Gesellschaft an Verheerungen aber auch Errungenschaften hervorgebracht
hat. Nicht nur wird Israel von vielen Seiten permanent das
Existenzrecht abgesprochen, auch Jüd_innen in Deutschland und
anderswo werden immer wieder verbalen und körperlichen
Übergriffen ausgesetzt. In jeglichen Handlungen des Staates Israel
im sogenannten Nahost-Konflikt sieht der moderne Antisemit einen
Angriff auf die Freiheit einer unterdrückten, „authentischen
Kultur“, ohne auch nur im Geringsten den menschenverachtenden
Kern einer Ideologie zu thematisieren, die mit ihrem offen
vorgetragenen Programms der Zerstörung Israels jeglicher
Emanzipation entgegensteht.
.: Rassistische Sümpfe
Der Straßenterror der Nazis oder hohe Wahlergebnisse der NPD in
Mecklenburg, Sachsen und Brandenburg sind kein Zufall. Sie fußen
auf einem weit in der Gesellschaft verbreiteten Rassismus. Auch im
Berliner Nordosten zeigt sich, dass die extreme Rechte auf die
rassistische Stimmung in der Bevölkerung angewiesen ist. So konnte
mit dem Republikaner-Abgeordneten Michael Rauschenbach ein Neonazi in
die Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einziehen. Besonders
hatte die Partei mit der Agitation gegen den Moscheebau im Pankower
Stadtteil Heinersdorf punkten können. Auf den rassistischen
Massendemonstrationen gegen die Moschee, die teilweise bis zu 2500
Teilnehmer_innen umfassten, bildeten bis zu 300 Neonazis der
verschiedenen Spektren ganze Blöcke. Hierüber gelang ihnen
u.a. die Rekrutierung neue Anhänger_innen. Allerdings zeigt gerade
das Beispiel Heinersdorf, dass die Neonazis den rassistischen Mob mehr
brauchen als der rassistische Mob die Neonazis.
Obwohl in anderen Städten, wie z.B. in Köln, Neonazis den
Protest gegen Moscheebauten koordinieren, sind die Moscheegegner_innen
in Pankow nicht auf derlei Unterstützung angewiesen. Die
Bürger_innen-Initiative IPAHB steuert den Anti-Moscheeprotest sehr
gut alleine und kann auf die tatkräftige Unterstützung vieler
Normalbürger_innen zählen. Mitte 2006 hatten bis zu 6200
Personen gegen die Moschee unterschrieben, also ca. 103 Prozent der
Anwohner_innen Heinersdorfs. Auf dem Gelände der Moschee, die am
16. Oktober eröffnete, wurde im März 2007 ein Brandanschlag
verübt und im Juli 2008 die Kuppel mit nationalsozialistischen
Parolen besprüht. Auch die Mitglieder der Gemeinde müssen
Pöbeleien über sich ergehen lassen, sobald sie sich in der
Nähe des Moschee-Geländes befinden. Die IPAHB distanziert
sich zwar von solchen Aktionen, ist aber ihr direkter ideologischer
Wegbereiter. Auch wenn sich am Stammtisch im „Griechen“
oder der „Gartenkolonie Nordland“ die dumpfe Argumentation
von steigender Kriminalität und Parkplatzknappheit, die durch die
muslimischen Menschen angeblich verursacht werden, hartnäckig
hält, so ist es der IPAHB gelungen, die „Heinersdorfer
Argumentation“ nach außen hin besser zu verpacken.
Bei Abweichungen werden innerhalb des Anti-Moschee-Protestes auch gern
mal Abweichler_innen mundtot gemacht. „Frauenrechte“,
„Schutz von nichtheterosexuellen Menschen“ oder der
„Kampf gegen Antisemitismus“ sind die Schlagworte, die dem
Volkszorn einen zivilisierten Anstrich geben sollen. Wie ernst es damit
gemeint ist, zeigen die Ereignisse der Vergangenheit. Der in der
Heinersdorfer Kirche aktive Pfarrer Andreas Kaehler, ebenfalls aktiver
Unterstützer der IPAHB, verweigerte im Februar/März 2008 die
Taufe des Kindes eines lesbischen Pärchens. Die lokale CDU, die zu
den aktivsten Unterstützer_innen der IPAHB gehört, hatte sich
1999 gegen die Umbenennung der Pankower Berliner Straße in
Josef-Garbáty-Straße eingesetzt. Garbáty war
jüdischer Zigarettenfabrikant und wurde 1938 von den Nazis
zwangsenteignet. Auch Ulrich Eichler, Bezirksverordneter der CDU in
Pankow, äußerte sich im Sinne der IPAHB-Logik, indem er auf
die Frage eines Journalisten, ob ihn eine Synagoge in Heinersdorf
ebenso stören würde wie eine Moschee, dass auch ein
jüdisches Gotteshaus in Heinersdorf nichts zu suchen habe.
Die Rassist_innen in Heinersdorf machen es sich gemütlich in ihrem
völkischen Schollenkollektiv und sortieren hierbei haargenau, wer
draußen zu bleiben hat und wer nicht. Bei dem Kampf gegen das
„Fremde“ wird dann auch schon mal gern auf das
vermeintliche Argument zurückgegriffen, der Heinersdorfer Lynchmob
sei das Bollwerk der Emanzipation und Garant für einen
konsequenten Kampf gegen Antisemitismus.
.: „Soziale“ Demagogie
Immer aggressiver geht seit dem Zusammenbruch und der Niederlage des
real existierenden Sozialismus in Europa die Kapitalseite im Zuge einer
europäischen Strategie, in der BRD unter dem Begriff Agenda 2010
zusammengefasst, gegen soziale Standards vor. Zunehmende soziale
Ungerechtigkeit verschärft das gesellschaftliche
Konfliktpotential, fördert also auch die Tendenz zum
autoritären Staat. Wer zudem - wie die Bundesregierung - immer
mehr demokratische Rechte einschränkt, will nicht nur den
restriktiven Sicherheitsstaat, sondern leistet auch neonazistischen
Tendenzen Vorschub.
Sozialabbau grenzt weite Schichten der Bevölkerung aus, schafft
aber auch Nährboden für die soziale Demagogie der Nazis.
Rechte Gruppierungen bemühen sich seit Jahren, von Protesten gegen
den Sozialabbau und Hartz IV zu profitieren. Neonazis präsentieren
sich dabei als „Globalisierungsgegner“,
„Antikapitalisten“ und „Kämpfer für
deutsche Arbeitsplätze“. Immer offensiver versuchen sie,
soziale Ängste für ihre Ziele zu nutzen.
Dabei verwenden Neonazis aus NPD oder den „Freien
Kameradschaften“ auch Symbole und Parolen der Arbeiter_innen- und
Antifabewegung und besetzen diese neu. Linke Parolen umzudrehen
gehört zum Standardrepertoire. Sinn und Zweck des Ganzen ist es,
neue Anhänger_innen zu gewinnen. Vieles ist nicht auf den ersten
Blick als neonazistisch zu erkennen.
Sie versuchen dabei unter anderem, sich mit populistisch vorgetragenem
Sozialprotest und scheinbar sozialen Taten wie der Einrichtung von
Suppenküchen, den Aufbau von Jugendzentren usw. hervorzutun. Dabei
nutzen sie, dass viele Menschen durch Sozialabbau und Arbeitslosigkeit,
mangelnde bzw. fehlende Ausbildung in einer fast auswegslosen Situation
sind. Für die Neonazis begünstigend wirkt sich auch aus, dass
aufgrund von angeblichen Sparzwängen in vielen Gemeinden und
Stadtteilen bisherige Kinder- und Jugendeinrichtungen geschlossen
wurden.
Neonazis tun so, als wären sie gegen kapitalistische
Missstände. In Wirklichkeit aber stehen sie voll hinter
Sozialabbau und Arbeitszwang. In sämtlichen Publikationen von
Neonazis wird nicht die soziale Umverteilung von unten nach oben
kritisiert, sondern, dass als Ausländer_innen definierte Menschen
angeblich in der „deutschen sozialen Hängematte“
liegen. Neben „Ausländer_innen“ werden auch Menschen,
die keine Arbeit oder Wohnung haben, leicht als
„Arbeitsscheue“ oder „Asoziale“ aus der
„Volksgemeinschaft“ ausgeschlossen. Für sie sehen die
Neonazis die zwangsweise Einweisung in den „Arbeitsdienst“
vor. Es entspricht dem neonazistischen Weltbild, sie zu
„Schmarotzern“ zu erklären oder die Ausgrenzung wegen
ihrer „Schwäche im Daseinskampf“ als Prozess
„natürlicher Selektion“ darzustellen. Dementsprechend
werden immer wieder Obdachlose, Arme usw. oder andere sozial Schwache
von Neonazis grausam misshandelt oder ermordet. In Pankow betraf dies
beispielsweise den Sozialhilfeempfänger Dieter Eich, der im Jahr
2000 in Buch bestialisch von Neonazis getötet wurde.
In ihren Pamphleten propagieren die Neonazis Wettbewerb und
Privatisierung sozialer Leistungen. Die NPD tritt für eine
Wirtschaftspolitik ein, die die Macht der Unternehmen stärkt und
die Gewerkschaften schwächt. Um davon abzulenken, beschwören
sie das völkische Kollektiv. Es ist eine wesentliche Funktion der
rechten Demagogie, soziale Unzufriedenheit zu kanalisieren.
Was
uns bleibt, ist die ausdauernde Analyse der reaktionären
Strukturen, die wie in Heinersdorf die Interessen des Kollektivs vor
die Rechte des Individuums stellen oder im Falle rechter Demagogie mit
der Rede vom Sozialschmarotzer in Kombination mit verkürzter
Kapitalismuskritik auf die Suche nach neuen Anhänger_innen gehen.
Nur durch eine kontinuierliche Benennung dieser Missstände, den
kreativen Kampf gegen sie und die Entwicklung von solidarischen
Alternativen lässt sich diesen Bewegungen wirksam entgegentreten.
Zeigen wir den Nazis, dass sie nirgendwo willkommen sind!
Download Aufruf als PDF...
- nach oben -
|
|
|
| |
.: Ein Wochenende
für antifaschistische Strukturen :. |
|
| |
Dienstag, 11..November 2008:
Antifaschistischer
Aktionstag
Infos...
Freitag,
14.November 2008:
internationale Antifa-Konferenz16:00
Uhr, Berlin
Infos...
Festival (Tag1)
19:00 Uhr, Kato, Eintritt 16€
Infos...
Samstag, 15.November 2008:
Antifaschistische
Demonstration 14:00 Uhr, S+U
Bhf. Pankow
Infos...
Festival
(Tag2)
Einlass: 18:30 Uhr, Kato, Eintritt
16€
Infos...
|
|
|
|